07.08.2016

„Au Revoir“ und (nicht nur) „Laissez-faire“ am Peterberg

Der diesjährige Leistungslehrgang der Ziffer-Schiedsrichter im SFV-Gästehaus in Braunshausen war von vielen emotionalen Momenten geprägt. Im Übrigen verlief das Wochenende aber erfolgreich und nahezu ohne Misstöne.

Wie im Großen so auch im Kleinen: Während der DFB den altersbedingten Rückzug mehrerer jahrelanger Top-Schiedsrichter aus der Fußball-Bundesliga zu verkraften hat, muss auch der SFV zukünftig im Spitzenbereich auf gleich mehrere herausragende Schiedsrichterpersönlichkeiten verzichten. Insgesamt für sechs Schiedsrichter aus der Karlsberg Liga Saarland war dieser Zifferlehrgang (in einem Fall zumindest vorerst) der letzte.

Nachdem im vergangenen Jahr mit Willy „Collina“ Bauer das absolute Urgestein verabschiedet wurde, folgte diesmal dessen Nachfolger auf der Position des am längsten in der Ziffer vertretenen Schiedsrichters. Jener sei „eine Institution in der Ziffer“, berichtete Ohlmann, und zeichne sich „durch Mut, Wille und Korrektheit“ aus. Die Rede ist von Axel Hurth von der SG Ballweiler-Wecklingen-Wolfersheim. Erstmals schnürte er schon im Jahre 1993 für die Ziffer die Schuhe. Es folgten fünf sehr erfolgreiche Jahre, in denen er den Aufstieg bis in die Amateuroberliga schaffte. Dann begann jedoch verletzungsbedingt eine lange Leidenszeit, in der er seine Karriere unterbrechen musste. Gottlob besserte sich sein Zustand wieder, woraufhin der heute 46-Jährige bemerkenswerterweise erneut die Mühen der Aufstiegsrunde auf sich nahm, sich 2001 wieder für die Ziffer qualifizierte und ihr bis dato erhalten blieb. „Dieser zweite Abschied ist aber definitiv mein letzter“, scherzte der überall beliebte Hurth. Er werde vor allem die Knobelrunden nach dem Training und den (sagenumwobenen) violetten Trainingsanzug von Ex-Zifferkollege Klaus Weber vermissen. Der Verlust eines derart langjährigen Weggefährten, der sich sogar mit musikalischer Untermalung („Au Revoir“ von Mark Forster und Sido) verabschiedete, löste auch bei den Zifferkameraden Wehmut aus. „Axel ist so eine gute Seele! Oft hat er mir erst Recht gegeben – und dann die Wahrheit gesagt“, meinte etwa Ostsaar-Lehrwart Thomas Knoll. Der Bankkaufmann und Familienvater wird aber immerhin in seiner Gruppe Neunkirchen und in der Lehrarbeit engagiert bleiben und dort seine Erfahrungen weitergeben.

Nicht weniger schwer wiegt der Verlust von Sascha Siegwart vom SV Walpershofen. Insbesondere scheint es offenbar wiederum Knoll zu sein, der den nächsten harten Schlag verkraften muss („Noch ein Zugpferd weniger beim Laufen...“) und zugleich stellvertretend für alle resümierte: „Mit dir war es immer wirklich herrlich, Sascha.“ Auch der 46-jährige Konstrukteur aus Spiesen war eines der letzten „Kinder der Neunziger“ in der Ziffer, da er 1998 den Aufstieg schaffte. Siegwarts Bilanz seitdem liest sich beeindruckend: jahrelang aktiv in der Amateuroberliga, DFB-Futsal-Schiedsrichter, Schiedsrichter des Jahres 2014 und überall als durch nichts aus der Ruhe zu bringender Spielleiter geachtet. Er ist ferner froh, dass er – so wie ihm in seiner Anfangszeit von seinen damaligen Lehrmeistern geholfen wurde – vielen jungen Schiedsrichtern bei ihrer Entwicklung helfen konnte. „Ich sehe, dass hier viele meiner ehemaligen Schiedsrichterassistenten sitzen“, bemerkte der Familienvater stolz, als sein Blick während seiner Abschiedsworte durch die Reihe schweifte. In Zukunft wird er den jüngeren Kollegen vermehrt kritisch auf die Finger schauen: Siegwart strebt eine Karriere als Futsal-Beobachter im DFB-Bereich an.

Bleibenden Eindruck hinterlassen haben auch die weiteren Verabschiedeten. Der sichtlich gerührte Markus Weiskircher tritt nach elf Zifferjahren ab und mit der Schiedsrichterei etwas kürzer, um sich einem neuen Hobby widmen zu können. „Ich bin jetzt Opa geworden. Da macht man sonntags andere Sachen, als auf den Sportplatz zu gehen“, sagte der 45-Jährige Gießerei-Mechaniker, der den Aufstieg nur vier Jahre nach dem Beginn seiner Schiedsrichterkarriere (2001) schaffte. Aus persönlichen Gründen setzt Daniel Hilgert seine sehr erfolgreiche Karriere, die ihn bis in die Amateuroberliga und als Assistent in die Regionalliga brachte, nicht fort – damit kann er also nicht mehr seinem ewigen Idol Rainer Palz nacheifern. Eine genauso gebührliche Verabschiedung verdient hatte auch Christoph Hahn, der seine Zifferkarriere aus familiären Gründen beendet. Der 32-jährige Polizeibeamte vom SV Ludweiler – seit 2003 in der Ziffer, ebenfalls ehemals in der Amateuroberliga und als Assistent in der Regionalliga aktiv – konnte aber leider aus dienstlichen Gründen nicht zugegen sein. Seine Verabschiedung wird freilich genauso nachgeholt wie die von Maximilian Fischer, der studienbedingt (zumindest vorübergehend) den Landesverband wechseln wird, und von Ziffertrainingsleiter Axel Hoffmann.

Die freiwerdenden Plätze besetzen vier neue und zwei nicht mehr ganz neue Gesichter. So gelang den im vergangenen Jahr kurzfristig aus der Ziffer ausgeschiedenen Jerome Maurer und Niclas Zemke die Rückkehr in den erlauchten Kreis. Den erstmaligen Aufstieg schafften Felix Simon, der erst 17 Jahre alte Nils Ziegler, Yannik Zeyer sowie Maria Scholz. Dass es mit der 22-Jährigen vom FC Niederwürzbach endlich wieder eine Frau geschafft hat das Zifferwappen zu erlangen, ist ein kleiner Lichtblick in Bezug auf die derzeit unbefriedigende Situation im Frauen-Bereich. Um diese weiter zu verbessern, werden fortan neben Scholz auch Alessia Jochum und Lisanne Maldener zu Förderzwecken regelmäßig im Kreise der Zifferschiedsrichter unterwegs sein. Maldener wurde überdies als Assistentin für die 2. Frauen-Bundesliga nominiert.

Ob es nun für jemanden der erste oder der letzte Zifferlehrgang war, in einem waren sich alle einig: Er verlief nahezu perfekt. Bedauerlich war allein, dass sich aufgrund der restlosen Belegung des Gästehauses auf dem Peterberg einige Schwierigkeiten bezüglich der Übernachtungs- und Schulungsmöglichkeiten ergaben. Die im Übrigen wieder gelungene Verbindung von harmonischem und geselligem Zusammensein einerseits und dem Leistungsgedanken andererseits blieb auch den dem Lehrgang beiwohnenden beiden Gäste aus anderen Verbänden nicht verborgen. Sowohl Burkhard Pleßke, Schiedsrichterobmann des thüringischen Fußballverbandes, als auch Stan Jahrmaerker aus Luxemburg zeigten sich von ihrem Abstecher ins Saarland begeistert und fügten sich hervorragend in die Gemeinschaft ein. „Da merkt man überall die entspannte, etwas französische Lebensart, die hier durchdringt“, freute sich Pleßke.

Wie erwähnt war indes mitnichten nur „Laissez-faire“ angesagt. Den Auftakt des Lehrgangs bildete wie immer die praktische Leistungsprüfung. Trotz sehr wechselhafter äußerer Bedingungen konnten erfreulicherweise alle Prüfungsteilnehmer auf der Marpinger Tartanbahn die geforderten Laufzeiten über die Kurz- und Langstrecken einhalten. Der anschließende Regeltest stellte diesmal ebenfalls keine große Hürde dar. Somit starten Saarlands Top-Schiedsrichter fit und bereit in die neue Saison. In jener werden sich die Zifferkameraden – und nicht nur diese – allerdings an einigen Stellen umgewöhnen müssen. Am zweiten Lehrgangstag stellte Verbandsschiedsrichterlehrwart Heiner Müller nämlich in einem kurzen Abriss die vielen anstehenden Regeländerungen vor. Angesichts der gravierenden, teils eher ungewöhnlichen Veränderungen (siehe dazu den entsprechenden Artikel am Anfang des Hefts) war eine lebhafte Unterredung die Folge. Weitere Schulungen werden sich anschließen.

Bei der abgelaufenen Spielklassen-Qualifizierung ergaben sich im Spitzenbereich kaum Veränderungen: Patrick Alt aus Heusweiler pfeift weiterhin in der 2. Bundesliga, Timo Klein aus Wiebelskirchen wird nach wie vor dort als Assistent eingesetzt. In der Regionalliga vertreten sind neben Klein Patrik Meisberger und Thorsten Braun. In der Amateuroberliga übernahm Thorben Rech den Platz von Stephan Spengler, der aber weiterhin in der Saarlandliga aktiv bleibt.

Abgerundet wurde das abwechslungsreiche Lehrgangsprogramm durch einen Vortrag von Dr. Andreas Batton – der Persönlichkeitscoach referierte über die verbale und nonverbale Kommunikation und den Umgang eines Schiedsrichters mit sich und anderen – und einer sonntagmorgendlichen kleinen Trainingseinheit von Thorsten Schütte, der sich dankenswerterweise kurzfristig dazu bereit erklärte, diesen Programmpunkt zu übernehmen. Die Einheit mit dem Spielertrainer der FSG Schmelz-Limbach brachte zwar einige Zifferkameraden an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit, war aber nach der ausgelassen zelebrierten Verabschiedung der Altmeister am vorigen Abend ein willkommener Wachmacher.

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